Laui-Spuren

Das liess mein Freund Albert nicht auf sich sitzen. Als ich im Oktober den Outdoor-Guide aus dem Briefkasten befreite und mit einem Griff die Skitouren-Vorschläge aus dem Vorwinterschlaf holte, stockte mir kurz der Atem. Breitete sich doch vor mir die Skitour zur Laui-Höchi aus, ab der Obermärchler-Gemeinde Reichenburg im Kanton Schwyz.

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Das Telefon war schnell zur Hand. Als Glarner Nachbar musste ich Albert, dem Reichenburger-Original, meine Enttäusschung kundtun, weil er mir offensichtlich diese Skitourenperle bis heute vorenthalten hat. Er meinte nur, ich solle bereit sein, sobald es Schnee bis ins Tal hat. Er würde mich gerne über die Spuren der Laui-Stafette führen. Schnee. Es hat genug, bis auf 434m. Alberts SMS ein Genuss.

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Speziell, die Felle habe ich schon lange nicht mehr auf dieser Meereshöhe aufgezogen. Der erste Teil des Aufstieges verläuft auf der Original-Berglaufstrecke der Laui-Stafette, die in 2 Wochen rock’n’rollt. Steil, steiler zur Chistleralp windet sich der Pfad. Immer mehr fragen wir uns, wo und überhaupt eine Abfahrt durchführen soll. Auf Nöchen öffnet sich das Gelände und gibt erste Einblicke auf schöne Skihänge frei.

Als neutraler und unbestechlicher Beobachter begleitet uns Michi aus Chur. Das Urteil eines Niederurners könnte ja gefärbt sein. Blau zeigt sich auch der Himmel mit Föhnwolken verziert.

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Bertels Körpersprache lässt erahnen, dass er mehr als einen Abfahrtspfeil im Rucksack führt. Auch unsere Stimmung hellt auf, als wir die offenen Hänge der Alp Lachen durchstreifen.

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Und schon wird er frei, der Blick zu den Glarner- und Wägitaler-Berge. Markant schiebt sich der Diethelm in den Blick, ein rassiges Skitourenziel.

Nur diese drei Skitourenkönige waren uns ständig auf den Fersen. Ist unter ihnen gar der gefürchtete Laui-Tüfel, der hier oben sein Unwesen treibt und im Lauiloch nicht nur Schafe zu Verschwinden brachte? Erst im Skihaus liessen sie sich Abschütteln. Sagenhaft.

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Wir visieren gleich die Laui-Höhi an, den höchsten Punkt unserer Entdeckungstour, wo bei der Stafette der Schneeschuhläufer an den Skifahrer übergibt. Bereits der Höhepunkt?

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Wir nehmen uns etwas mehr Zeit als die Athleten und sehen uns am herrlichen Rundblick satt, der bis in die Churfirsten und zum Säntis blinzelt.

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Unverspurt folgen wir Bertel in den ersten Hang den wir mit unseren Kurven signieren. Entlang der frisch verlegten Aufstiegsspur folgt die Laui zum Zweiten. Die Abfahrt führt dann zumindest Richtung Skihaus.

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Mit trockener Kehle werden die Felle für den dritten Streich aufgezogen. Es soll noch eine weitere Schönheit auf uns warten. Wir sind gespannt. Plötzlich wird die Sicht frei auf den Zürichsee und Rapperswil. Doch die wahre bellezza thront über uns. Letzte, hangschonende Spitzkehren und der Peak ist erreicht.

Ritsch und ratsch, bloss weg mit dem Pelz, die folgende Abfahrt das Gemüte erhellt.

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Aussichtsreich zieht Michi seine Spuren in den Pulver, während im Talboden die Konfetti-Kanonen donnern.

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Ob unsere Felle beim vierten Alpaufzug noch haften? Nur noch kurz müssen sie uns ertragen, denn wir führen sie direkt zur berüchtigten Reichenburger Skihütte, wo wir sie trocknen und unsere Kehlen netzen. Verdient.

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Vorbei am Pistenfahrzeug, das bereits für die Laui-Stafette im Einsatz stand, geht es schnurstracks an den Stammtisch, wo gerade noch drei Stühle frei sind. Ein warmer Empfang ist uns gewiss. Zur standesgemässen Hülse 58 offeriert uns Hüttenwart Stani gar einen feinen Kuchen und eine Krumme dazu. Nichtolympisch diese Kombination, umso genussreicher verstreichen die Momente.

Das Pistenfahrzeug

Bevor wir die Stirnlampen benötigen, die wir nicht dabei haben, brechen wir auf. Erwartet uns noch eine Abfahrt bis zum Talboden und eine Abendstimmung aus dem Band „Trittst im Abendrot aus der Hütte“.

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Passend zum Schlussbouqet färbt sich der Himmel. Wir frohlocken und zischen munter durch den geröteten Pulver, queren kurz den Wald und stechen auf reichlich weissem Flausch Reichenburg entgegen.

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Nun wird klar, weshalb uns Bertel am Morgen mit einem breiten Grinsen begrüsst hat. Stattliche 1650 Aufstiegs- und Pulverfreuden, aufgeteilt auf drei Gipfel, vier Abfahrten und die Einkehr im Skihaus liegen hinter uns. Diese Erinnerung bleibt haften, nur unsere Felle würden es nicht mehr. Die Steigerung folgt in zwei Wochen. Am Sonntag, 1. März 2015 beim Startschuss zur Laui-Stafette, werde ich als Startläufer der TRAILRIDER aus meinem Laui-Traum gerissen – spätestens.

weitere Infos
www.laui-stafette.ch
www.sc-reichenburg.ch

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