Risetenhoren

Irgendwo zwischen Mailand und Zürich liegt unser Skitourengipfel. Im März 1922 war nicht das Risetenhoren das Ziel. Als Walter Mittelholzer, der Schweizer Aviatikpionier in Mailand abhob, hiess sein Ziel Dübendorf. Auf seinem Alpenflug geriet er in dichten Nebel. Ein Knall!

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Als Mittelholzer, der spätere Mitbegründer der Swissair, aufwachte, lag er tief im Schnee. Sein linkes Bein verletzt. Als Bergtourengänger wusste er, wo er „gelandet“ war: Im Glarnerland! Ein anderthalbtägiges Martyrium folgte. Durch den Schnee kroch er talwärts, nächtigte eisig in einer Alphütte, kroch am nächsten Tag weiter und erreichte gegen Mitternacht Matt im Sernftal. Er war dermassen erschöpft, dass er am Strassenrand einschlief. Am nächsten Tag wankte er mit Fliegerhelm und blutüberströmten Kleidern in eine Wirtschaft und bat um heissen Tee und Wein.

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Verglichen mit diesen Strapazen war unsere Skitour zum Risetenhoren ein Genuss. Gestartet hinter dem st. gallischen Dorf Weisstannen, zogen wir zur Grenze mit dem Glarnerland. Was für ein Tag. Nicht Nebel, auch keine Wolke. Nur die Sonne, ein stahlblauer Himmel, frischer Pulver und beste Gesellschaft. Die Zutaten für einen gelungenen Skitourentag. Lang zieht sich der Aufstieg zur Alp Obersiez, wo sich der rassige Skigipfel erstmals präsentiert.

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Der steile Schlusshang bildet das pièce de résistance. Erste Blicke flirten mit dem Gipfelgrat.

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Der Tiefblick auf den praktisch jungfräulichen Abfahrtshang beflügelt. Eine letzte Spitzkehre und das Skidepot ist erreicht. In einfacher Kraxelei lockt über einen luftigen Schneegrat der Gipfel. Spätestens die Rundsicht sorgt für weiche Knie, quel cinéma naturel. Ein Grossteil der Glarner Alpen breitet sich vor uns aus und sogar der Skilift auf dem Laaxer-Vorabgletscher schiebt sich ins Blickfeld.

Wild und abgeschieden ist die Gegend zuhinterst im Weisstannental, die auch als UNESCO Weltnaturerbe Tektonikarena Sardona bekannt ist.

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Kein Wein, ein Schluck Tee darf es sein. Nun folgt die Kür. In Gedanken an Mittelholzers Willensleistung, etwas gar einfach. Die 15cm Pulver lassen es sogar Ende März noch stieben. Endlos ziehen wir Hang um Hang zurück nach Obersiez.

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Auf Obersiez drängt sich nach der Bachpassage eine Rast auf. Dass die Frühlingssonne schon mächtig Kraft hat, zeigt sich an der rasch schmelzenden Aufstiegsspur. Die Tannzapfen und die Armada der Schneeglöckchen verbreiten auch duftmässig den Frühling. Die Schneedecke ist auf der Siezer-Strasse nicht mehr ganz lückenlos, was das Erlebte aber in keinster Weise schmälert.

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Den obligaten Après-Kafi lassen wir uns im Hotel Gemse zu Weisstannen servieren und sinnieren über diese herrliche Tour zwischen Mailand und Zürich und die erduldeten Strapazen Mittelholzers; downtown Weisstannental. Auch im Sommer ein Ausflug wert, ob zu Fuss oder mit dem Mountainbike.

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