Mit dem Ältesten auf Skitourero

Mutig. Um 05.00h klingelt der Wecker. Dunkel. Bedeckt. Anstatt mit einem Lachen im Gesicht begrüsst mich Bergfreund Bertel in den Jeans. Krank. Immer noch im Dunkeln hasten wir durch die Unterführung des Bahnhofs Ziegelbrücke, um den Zug nicht zu verpassen. Erste Sprüche erhellen die Schlaftrunkenheit. Blaue Störung…

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als wir in Matt die Luftseilbahn besteigen. Die Felle sitzen. Klack. Der Blick zum Himmel entspannt die Gesichtszüge, es hellt. In unseren munteren Skitourengruppe ist uns ein unsichtbarer Begleiter auf den Fersen; der älteste Glarner. Mein Verbündeter.

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Bei dieser Wetterprognose ist Einsamkeit fast garantiert. Wäre da nicht der Älteste. Schon dringt Wärme durch die Glieder und die Szenerie hat sich filmreif verändert. Es hellt, stahlblau.

Gemütlich schlurfen wir durch den frisch gefallenen Pulverschnee. Watte. Der Nebel zieht weit ins Kleintal hinein. Unsere Überschreitung soll uns bis an den Walensee führen, sofern Er will. Ob es das Wetter morgen zulässt? Mutig ziehen wir unsere Spuren Richtung Sunnähöräli; nomen est omen.

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Doch der Älteste meint es anders. Grosse Schneeverfrachtungen erfordern eine erste Portage. Schneeloch! Temporär verschwindet der Tourero, um gleich wieder an die Oberfläche zu gelangen, bevor ein Fotoapparat gezückt wird. Gipfel erreicht. Sturm. Sicht; null. Orkanböen zischen über unsere Kapuzen. Das kann er auch, der Älteste.

Umso schöner, dass die Abfahrt jungfräulich lockt. Nicht eine einzige Spur. Privileg. Flauschigster Pulver, mindestens eine 40cm Decke lässt uns Rauschen. Schwung um Schwung, Hang um Hang. Glücksgefühle! Der Schlaf ist längstens einem breiten Grinsen gewichen und lauten Jauchzern. Wir kneifen uns in die Wange, können das Glück kaum fassen.

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Der Auftstieg zur Skihütte Mülibachtal nehmen wir mit Euphorie, es schneit – für morgen, denken wir. Schritt um Schritt nähern wir uns der wohligen Stube der Luchsingers. Die Flocken tanzen dicht. Ein Gedicht. In diesen Momenten bin ich im Schwebezustand, wohlweisslich, dass uns Maja gleich mit einem Bügel-Spez und mit herzlicher Gastfreundschaft begrüsst.

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Während wir uns mit Suppe stärken und diesen gelungenen Tag mit einem Bügel begiessen…. reisst es plötzlich auf. Stahlblau, frisch gezuckert. Den letzten Schluck im Stehen und raus. Anfellen. Bergwärts. Spontan nehmen wir das supplément Heustock unter die Felle.

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Um viele Pulverschwünge bereichert, erklingt das Bügel-Plopp zum Zweiten, Dritten… der bunte Hüttenabend nimmt seinen Lauf. Auf dem Holzherd dampft leckeres Risotto und die Hüttenwartin Maja ist im Element. Wann das Licht ausging, wurde nicht protokolliert. Die Gedanken kreisen beim Einschlafen. Ob es morgen wohl hält? Ich zähle auf Ihn.

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Der Blick aus dem Türrahmen verrät. Er begleitet uns auch heute, habe die Ehre. Rasch ziehen wir bergwärts, denn wir wissen nicht, wie lange Er mithält, der Älteste. Nochmals 15cm frischer Pulver ist nachts vom Himmel gefallen. Spurarbeit. Ein Privileg. Au revoir Maja & Werner, à la prochaine.

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Wunderland Glarnerland. Beim Spuren fällt mir plötzlich das „Ski-Mausi“ ein. Diese Begegnung werde ich nicht so schnell vergessen. Als ich vor 3 Tagen auf der Rekotour, die Felle aufzog und plötzlich auf der einsamen, weissen Hochebene eine holde Maid auf mich zustürmte. Da war selbst der Tourero paff. Sie fesselte mich mit ihrem Charme, schmiegte sich an meinen Skistock und verdrehte mir den Kopf. Doch als sie an meinen Fellen nagte, verflog mein Traum. Eine pelzige, kleine Maus! Ja, wo bist Du den zu Haus?

Das habe ich in meiner Sktiouren-Karriere noch nicht erlebt. Normalerweise sind die Tiere etwas grösser. Nun, sagt sich Mausi, „Du könntest mich ein Stück mitnehmen“ und setzt sich offensiv auf meine Ski. Klar, bergwärts.

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Doch heute ist Mausi nicht da. Dafür der Bützistock, wo ich keine Stunde nach dem Mausi-Date auch gleich einem Rudel der Berg-Könige begegnet bin; einem Glarner Steinbock-Rudel. Bei uns können sie zwar nicht sprechen, umso faszinierender. Wäs hätten Sie wohl gesagt, als sie mich mit der Maus gesehen haben? „Etz luäg ä mal der aa, der chüchet so fescht, das är garämänt ä Muus us dem Winterpfuus gholt hett… hä hä hä…“.

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Wir erklimmen Höhe und schon bald wird es so steil und eisig, dem Ältesten sei Dank, dass die nächste Portage wartet. Ein echtes Abenteuer, auch das bietet das Glarnerland; der Himalaya vor der Haustüre.

Er zischt uns gewaltig um die Ohren und verfrachtet den frischen Pulver temperamentvoll in unseren Abfahrtshang. Doch zunächst gilt es, den Grat des ersten Gipfels unserer Trilogie zu erklimmen.

Mut wird… unverspurt belohnt. Sind wir heute die Einzigen, die auf dieser Route unterwegs sind. Feinster Pulver spritzt zwischen unseren Latten empor, die Gischt stiebt und legt sich nur langsam. Wir klatschen ab. Nur einer gibt seine Hand nicht. Der Älteste.

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Er ist langsam müde. Sein Gegenspieler ist von Westen schon dicht an den Mürtschenstock herangepirscht und seine Vorhut stürzt sich über die Felswand – direkt auf uns zu.

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Rasch Anfellen und strammen Schrittes durch Sturm und Nebel Richtung warme Stube…

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Nicht auf Robmen. Sondern zu Steffi Ackermann an den Kachelofen im gemütlichen Bergbeizli Hüttenberg. Wie kontrastreich eine Skitour sein kann, wird uns vor Augen geführt. Nichts mehr zu sehen von unseren schönen Spuren, auch vom Ältesten nicht. Der hat sich aus dem Schneestaub gemacht. Genussvoll schwingen wir erneut über unverfahrene Pulverhänge Obstalden am Kerenzerberg zu. Da ein Jauchzer, dort ein Schrei. Mir sind ällei.

Wie klingt eine erfolgreiche Skitouren-Überquerung im Glarnerland aus? Genau. Kulinarisch mit feinsten Ziger-Spätzli und einer Hülse 58 sekundiert von Fridli Kundert aus der lokalen Adler Brauerei. Strahlende, gut durchblutete, euphorisierte Gesichter prosten sich zu und schwören, dass es nicht der letzte SkiTOURero war – im Glarnerland; Der Tourero bleibt am Ball, denn Mut wird… belohnt und… vielleicht gesellt sich auch der Älteste wieder dazu; der Föhn.

Bildergallery Glarnerland SkiTOURero vom 13.-14. Februar 2016

3 Kommentare zu “Mit dem Ältesten auf Skitourero

  1. Was für ein Erlebnis! Dank René’s meteorologischer Spürnase, seinem direkten Draht zu Glarnerlands ältestem Einwohner und seiner Lokalkenntnisse haben wir drei unvergessliche Tourentage im Zigerland verbracht – Hüttengastfreundschaft und Kulinarik inklusive! Bitte mehr vom SkiTourero!

  2. Das ist Erlebnis und Abendteuer pur. Solche Bilder und Berichte machen Lust auf mehr Natur, Sport und Geselligkeit mit Kulinarik im schönen, einzigartigen Glarnerland. Weiter so, René!

  3. Eine so motivierte und aufgestellte Crew zu bewirten, ist für uns Hüttenwarte natürlich eine riesige Freude! Deshalb schliesse ich mich Melanie, Björn und Jasi (ciao bella!) an. Ich freue mich schon auf den nächsten Besuch
    von Ski-und BikeTourero René und seinen flotten Gästen in der Skihütte Mülibachtal!

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