vom Sernftal zum Walensee

Lang ist sie, die Lichterkette, die uns von der Walensee-Autobahn entgegenfunkelt. Es muss einiges los gewesen sein, auf den Skipisten unseres Landes. Als sich die Karavane gar stossstangend über den Kerenzerberg wälzt, ein déjà-vu. Oh Walensee! Für uns markierte dies den Wieder-Eintritt in die Zivilisation. Nach zwei Tagen Hochgefühl durch grossartige Naturlandschaften. Ruhe, Weite, Kameradschaft, Nervenkitzel, Pulver, Bügelspez und… wir, die skialpinisierenden Mountainbiker auf der Durchquerung des Glarnerlandes in Weiss.

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Auf knirschenden Fellen
Der Horizont ist klar. Gestern, als ich mit dem Fatbike vom Kerenzerberg herkommend, dreckverspritzt direkt die Trommel der Waschmaschine füllte, hudelte es wacker. Kurz und heftig. Oberhalb von 1000 Meter in Weiss. Soweit die Hoffnung. Im jungen Morgen ist der Glarner Sprinter gut gefüllt, mit Skialpinisten, alle gezeichnet durch Vorfreude und in unterschiedliche Richtung schwärmend.

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Licht und Schatten
Bittere Kälte empfängt uns auf den Weissenbergen, dem sonnigsten Platz im Glarnerland. Die erste Stunde allerdings noch im Schatten. Der Rundblick auf die frisch gezuckerte Bergwelt raubt uns die Worte. Stille. Plötzlich kitzelt sie uns, die Morgensonne, über den Fanenstock und sie lässt uns nicht mehr los.

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Hudelwetter auf Bestellung
Nun wird sichtbar, was das wetterliche Freitagsintermezzo vollbracht hat. 15 bis 30cm frischer Pulverschnee gleisst in der Morgensonne. Frohmutig schlurfen wir Meter um Meter in die Höhe mit dem schönen Nebeneffekt, dass nicht nur die Neuschneedecke zunimmt, auch die Aussicht gewinnt an Weite und unsere Blicke kreisen in einer Naturarena irdischer Schönheit.

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Wir passieren eine Gruppe, die sich für die folgende Nacht im Freien ein Iglu-Dorf einrichtet. Was für eine gute Idee und erlebnisreich dazu. Erste Spitzkehren. Es wird steiler. Der Aufstieg aufs Sonnenhörnli ist immer wieder eine Augenweide, links und rechts vom Grat konkurrenziert sich der Aus- mit dem Weitblick. Das war der erste Streich.

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Pulvertraum gelebt
Vorfreude sei jeweils die schönste Freude. Noch mehr hat es uns gejuckt, als sich die Abfahrt in jungfräulichem Weiss vor uns bettete. Das Privileg, die ersten Schwünge in die Abfahrtshänge zu ziehen, ist seltener Natur. Ein Geschenk. Es dauerte nicht lange und die Jauchzer hallten im Sekundentakt durch die Glarner Bergwelt.

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Glarnerische Verhältnisse
Gischt wirbelt auf. Die Protagonisten tauchen in den Schneeschleier, so luftig und fein ist die weisse Pracht. Mancher würde von „kanadischen Verhältnissen“ sprechen, damit wir uns verstehen; Glarnerische Verhältnisse, wie zumeist, wenn der Tourero durch seine Heimat schwingt.

Die Felle haften erneut, jedoch nur kurz bis der Apéritiv in der Skihütte Mülibach erklommen ist. Herzhaft werden wir vom Hütten-Team mit Maja, Wanda & Susanne willkommen geheissen. Bevor das erste Bügel-Spez entploppt wird, lockt das obligate Supplément, auf den Heustock – den Hausberg sozusagen, den die Hüttenwartin bereits gespurt hat.

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Unser Blick streift mediterrane Gefilde, das Feigen spriessende Quinten. Nicht entgangen ist uns beim Aufstieg, dass es noch viel unverspurtes Gelände für uns übrig hat. Plötzlich kratzt es. Unverhofft aber nicht ganz unerwartet in diesem Winter. Nicht die Belagsflächen unserer Skis sind betroffen. Der Hals. Erste Anzeichen einer Unterhopfung verbreiten sich rasant auf die Gipfelgenossen.

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Die wundersame Heilung
Das Gegenserum ist rasch zur Hand. In Reih und Glied wartet das Antikratzserum aus der Heilstätte der lokalen Brauerei Adler. Etwas geschrumpft sind sie allerdings schon, die Bügelspez. Schon nach dem ersten Schluck nicken wir uns zu, das Kratzen verschwindet im Nu. In der Folge geben wir dem Kratzgeist keine Chance, so viel sei verraten.

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Schmackhafte und liebevoll auf dem Holzherd zubereitete Älplermaggaronen geben uns wieder Kraft. Wir können uns kaum sattschöpfen. Und als zur Veredelung gar noch die Schabzigermühle die Runde macht, ist das kulinarische Glück perfekt. Der nächste Tag schickt seine Vorboten voraus. Es warten vier Gipfel und vier Abfahrten auf einer langen Überschreitung. Also auch vier Aufstiege und etwas Strecke. Bettruhe.

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Schöner geht es nicht
Diese Morgenstimmung raubt uns förmlich den Schlaf. Noch vor Sonnenaufgang kleben die Felle an den Skis. Bevor wir erhellt werden, schlurfen wir beschattet durch traumhafte Winterlandschaft. Die ersten Strahlen sind zum Greifen nah und bald ist es soweit.

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Spot an. Der Traumtag umhüllt uns und unsere Mission, die uns bis zum Walensee führen soll. Doch zuerst passieren wir Tödi, Clariden, Kärpf und den Glärnisch in Reih und Glied. Dieses Bild hinterlässt Spuren. Wir tanken Energie. Eine kurze Nervenkitzel-Passage und der Puls wippt wieder im Normaltakt. Die Felle sitzen zum Zweiten.

 

Heliskiing, Kanada, Dolomiten und Norwegen in einem Tag

Nicht lange. Weitere spurlose Hänge warten auf uns. Elegant ziert Schwung um Schwung. Skifahrer, Snowboarder und Telemarker vereint, lassen wir nur unsere vergänglichen Spuren zurück. Nicht mehr und nicht weniger. Sektorfahren ist uns fremd.

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Der dritte Streich bringt uns nochmals ins Schwitzen. Hat die Sonne doch ordentlich Kraft entwickelt. Steil stapfen wir selber eine Spur in den Hang, immer höher, ins Abfahrts-Glück. Erste Anzeichen machen sich breit. Für einmal nicht im Hals, bald brennen die ersten Beine bei so vielen Abfahrtsmetern. Und der vierte Streich folgt sogleich.

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Die Dolomiten stehen Spalier. Kanadisch-Glarnerisch präsentiert sich dieses Juwel. Der Tourero motiviert seine Skitoureros mit der Aussicht, dass die vierte und letzte Abfahrt der heimliche Star im Quartett sei. Denn zum fast schon zu erwarteten unverspurtem Pulverschnee geselle sich noch etwas Spezielles dazu. Norwegische Verhältnisse. Eine Abfahrt mit Fjordblick, auf den Walensee.

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Auf den Spuren der Skipioniere
Nur gut, dass um 1890 findige Glarner Pioniere um Christoph Iselin sich von Fridtjof Nansens Nordpol-Expedition inspirieren liessen und in Glarus selber Skis bauten, um die heimischen Berge zu erkunden. Nach dem ersten Hang halten wir inne. Unser Blick gilt dem Walensee, der sich in voller Länge vor uns ausbreitet. Dunkelblau. Vor der Haustüre. Weiter geht die wilde Fahrt, die erst im schmucken Bergbeizli Hüttenberg endet. Nadja’s herzlicher Empfang hüllt uns ein.

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Bis sich die Lichterketten der Walensee-Autobahn abzeichnen, liegt aber noch einiges dazwischen. Ob das Bügelspez eine Rolle spielte? Die Vermutung haltet sich hartnäckig. Die Protagonisten sind sich einig; besser geht es nicht. Oder hat da nicht doch etwas gefehlt? Eine holde Schönheit mit Relieffigur?

Bildergallery

Kommentar zu “vom Sernftal zum Walensee

  1. Ein grosses Dankeschön dem Tourero für die zwei sagenhaft schönen Tage! Um das Ganze zu toppen fehlt nur noch des Bieres ploppen 😉

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